drucken | schliessen
Albert-Einstein-Realschule Essen-Rellinghausen

Lernort Kockshusen

Benimm-AG bittet zu Tisch

Es liegt am Rande des Schellenberger Waldes und sieht mit seinem schwarz-weißen Fachwerk aus wie im Märchenbuch: das Restaurant Kockshusen. Hier regiert das Gastronomen-Ehepaar Verena und Willy Hachenberg, allerdings auf recht entspannte Weise. Die Beiden geben seit einigen Jahren der AES-Benimm-AG die Gelegenheit, ihre Kenntnisse in der Gastronomie zu erweitern. Daher fällt die Begrüßung zum Gastro-Seminar auch sehr herzlich aus, wie bei guten Bekannten. Die Restaurantprofis geben gerne ihr Know How weiter an die kommende Generation. Denn wer hier auf den Geschmack kommt, findet leicht einen Ausbildungsplatz, Personal ist knapp. Und so haben die Mädchen heute die Chance, beide Seiten der Gastronomie kennen zu lernen: als Gast und als Servicekraft.


An der Passe oder Wärmebrücke übernehmen die Servicekräfte die Teller, die der Koch gerade füllt.

Thema des heutigen Workshops für die Benimm-AG und ihre Leiterin Verena Schreiner-Langen: Der festlich gedeckte Tisch und Gläserkunde. Aber zunächst sollen die Geschmacksnerven stimuliert werden. Während die Mehrzahl bei einem Getränk am Tisch in der „Speisekammer“ Platz genommen hat, servieren Freiwillige eine getrüffelte Kohlrabisuppe mit Croutons. Papierserviette entfalten und los geht’s. Dezentes Gemurmel begleitet diesen Gang, es dreht sich ums Essen. Die Meisten loben den samtig-cremigen Geschmack, aber was macht man, wenn man Kohlrabi überhaupt nicht mag, auch nicht in flüssiger Form? Verena Hachenberg lächelt und gesteht: „Ich mag auch keine Kohlrabi.“ Sowas kommt vor, „da machste nix“, sagt man im Ruhrgebiet.


Aufgetragen wird mit rechts. In der Regel.

Aber jetzt geht’s ans Eindecken. Vorgabe ist das letzte Silvestermenu mit drei Vorspeisen, Hauptgang und Dessert. Die Mädchen rätseln: „Von innen nach außen oder umgekehrt?“ Ganz wichtig: Vor dem Auslegen mit dem Lappen nachpolieren. „Niemals auf die Spüler verlassen“, warnt Verena Hachenberg. Fingerabdrücke auf Besteck oder Glas sind eine Todsünde. Der erste Gang, eine Terrine, erfordert Messer und Gabel. Die folgende Suppe wird mit dem Löffel gegessen. Auf die Suppe folgt Sorbet zum Neutralisieren. Aha, also dafür der lange Löffel, aber wohin mit ihm? Jana, Lisa und Laura diskutieren, bis Laura sich durchsetzt: „Nach rechts“.


Das Besteck von innen nach außen und versetzt.

Zum Hauptgang, klar, Messer, eventuell Fischmesser und Gabel. Was brauchen wir zum Dessert? Richtig, Kuchengabel und Dessertlöffel quer oberhalb des Tellers. Alles unterliegt einer inneren Logik. Das Besteck soll einen Daumen breit von der Tischkante liegen, die Gabeln möglichst etwas versetzt. Mit den Gläsern nach dem Orgelpfeifenprinzip und der von einem Ring gehaltenen Serviette sind nun festlich ausgelegte Tischgedecke entstanden, genau am Gegenüber ausgerichtet. „Gut gemacht“, findet die Chefin und korrigiert noch schnell die Lage von Dessertlöffel und –gabel.


Verena Hachenberg zeigt zwei Arten Fisch. Den festeren Skrei isst man mit Messer und Gabel, für die Scholle ist ein Fischmesser sinnvoll.

Im Kaminzimmer zeigt Willi Hachenberg die Welt der Gläser. Jede Schülerin sucht sich zwei davon aus und versucht zu bestimmen, welche Flüssigkeit hineingehört. Die Treffsicherheit ist erstaunlich. Offensichtlich gibt es Vorkenntnisse, aber wohl eher theoretischer Art. Willy Hachenberg steuert sein immenses Hintergrundwissen bei. 


Wir haben uns das so gedacht.

Er erklärt den Schülern den Sinn der Formen und bringt es am Ende auf den Moussierpunkt, der dafür sorgt, dass der Champagner leichter perlt. Dabei lässt er die Gelegenheit zur Warnung nicht ungenutzt. Alkoholkonsum ist unter achtzehn gesetzlich geregelt, Missbrauch rächt sich – immer, ganz gleich ob mit Kölschstange, Sektflöte oder Cocktailglas. Und auch wenn der Gast König ist, er sollte sich auch so benehmen. Und genau das lernen die Mädchen der AES-Benimm-AG.


Da kenn‘ sich einer aus. Für jedes Getränk das richtige Glas. Mal sehen, wer’s weiß.

 
Michael Rausch



Veröffentlicht am:
27.02.2020

 


URL: http://www.aes-essen.de//de/Newsmeldung?newsid=1003&printview=1
© 2002 - 2014 Albert-Einstein-Realschule — Alle Rechte vorbehalten
drucken | schliessen