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Albert-Einstein-Realschule Essen-Rellinghausen

Unterricht in Zeiten der Pandemie

Händewaschen, Flatterband und Zollstock

Der Unterricht an der AES geht weiter. Für die Einen weiterhin zu Hause im Online-Modus, für die Anderen tatsächlich wieder in gewohnter Umgebung. Seit Donnerstag erhalten die Zehner ihren Unterricht im Klassenraum. Aber gewohnte Umgebung? Die hatten die Jugendlichen doch anders in Erinnerung: Fast 600 Mitschüler auf dem Schulhof in Bewegung, Lärm, Lehrer, Personal. Stattdessen Stille, gähnende Leere, Schlange stehen, Abstand halten.
Die erste Einweisung folgt an diesem Morgen in der Pausenhalle. „Ein Meter fünfzig Abstand halten, Hände waschen, Absperrungen und vorgeschriebene Wege respektieren.“ Deutschlehrerin Kerstin Walter nimmt 15 ihrer Schützlinge an der Flurtür in Empfang und weist sie ein. Auf der anderen Seite des Flurs, getrennt durch Flatterband, übernimmt ihr Kollege Dominik Adlers die zweite Gruppe. Jeweils zwei Jugendliche waschen ihre Hände in zwei Klassenräumen und nehmen dann in ihrem Klassenraum Platz. Alle Tische stehen mindestens 1,50 Meter voneinander entfernt und sind mit Namen beschriftet. Klare Verhältnisse durch Gebrauch des Zollstocks.


Eine Hälfte der 10a an ihrem ersten Schultag nach den Ferien. Abstand und Hygiene sind die Regeln der Stunde.


Man muss ja nicht laut dabei singen, aber so lang wie „Happy birthday“ sollte es schon sein.

Nach sieben Minuten kann der Unterricht beginnen. Die Deutschlehrer freuen sich aufrichtig, ihre Schüler wohlbehalten nach wochenlanger Zwangspause wiederzusehen, als der Gong ertönt und Schulleiter Martin Streibert eine Durchsage macht. Auch er freut sich, denn „eine Schule ohne Schüler ist nicht das Wahre“. Die neunzig Minuten (minus Händewaschen) vergehen zügig. Das war’s dann für heute mit dem Deutschtag. Morgen gibt’s die Doppelstunde Englisch. Hausaufgaben fürs Homeoffice notiert und dann an die frische Luft, hinaus auf den Ardeyplatz, natürlich in gebotenem Abstand. Hier wartet schon die nächste Klasse ganz regelgerecht auf Einlass.


Die andere Hälfte der 10a. So sieht in Zeiten der Pandemie die Zielgerade aus.

Hier treffe ich auch Alex, Pia, Nils und Franziska, die über ihre ersten Eindrücke reden. Ja, vermisst haben sie einiges, vor allem die Begrüßung ihrer Klassenkameraden. Keine Berührung, keine Umarmung, das ist nicht das, was sie kennen. Pia findet aber, alle hätten gut mitgemacht und sich an die Regeln gehalten. Alex empfindet die Stimmung als etwas bedrückt und ist skeptisch, ob die aktuellen Regeln auch in ein paar Tagen noch Gültigkeit haben. Traurig sind sie, dass ihre Abschlussfeier nun wohl sang- und klanglos gestrichen wird.
Nils und Franziska sehen alles in allem Vorteile gegenüber dem Online-Unterricht zu Hause: „Es gibt einem ein Gefühl der Sicherheit, einen direkten Ansprechpartner zu haben.“ Von zu Hause berichten alle, dass die Atmosphäre entspannt und frei von Druck ist. Franziska: „Was das Lernen angeht, vertraut mir meine Mutter und lässt mich machen.“ Alle sind erleichtert, dass der Abschluss keine zentrale Abschlussprüfung sein wird, sondern eine angepasste Klausur. Nur Alex glaubt noch nicht recht an die Abschlussklausur, auch nicht an den angekündigten Termin. Wir werden sehen. Wichtig ist vor allem Gelassenheit und Einhalten der Regeln. Dann wird es schon werden.


Anständig Hände waschen und ein Angebot, das man nicht ablehnen kann – was will man mehr?

 
Michael Rausch



Veröffentlicht am:
23.04.2020

 


URL: http://www.aes-essen.de//de/Newsmeldung?newsid=1022&printview=1
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