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Bohren, leimen, schrauben

Cajon-AG baut Instrument

Das soll eine Trommel sein? Es sieht aus wie ein Holzkasten mit einem Loch, ist nicht rund und hat nicht einmal ein Trommelfell. Dafür klingt es fast wie ein komplettes Schlagzeug. Es heißt Cajon, mit ch wie in Kachel. Komischer Name! Ist auch nicht deutsch, sondern spanisch und bedeutet „Schublade“. Emma meint: „Das ist eine Trommel mit Loch.“ Albrecht ergänzt: „Es ist ein Block mit Drähten reingeschraubt.“ Und zur Spielweise ergänzt Emma: „Man setzt sich auf die Trommel drauf.“
Das Instrument stammt aus Südamerika und hat sich längst einen Platz in der internationalen Musikszene erobert. Deswegen lässt Musiker und Musiklehrer Hasan Kayar Kurse aus der sechsten AES-Jahrgangsstufe damit experimentieren. Aber zuerst müssen die Trommeln gebaut werden. Die Materialien sind ausgesucht. Dünne Tischlerplatte, die von der Jugendberufshilfeeinrichtung Förderkorb in Gelsenkirchen geliefert wird. Die Frontplatte ist aus Klanggründen halb geleimt, halb geschraubt. Innen erzeugt ein Schnarrteppich aus dünnen Drähten den richtigen Sound und ein rundes Schallloch sorgt für den fetten Bass. Das alles für 40 Euro.


31 Cajons sind in Planung. Diese Kisten müssen alle noch bearbeitet werden.

In Corona-Zeiten war es nicht einfach, allen Bedingungen gerecht zu werden. Zum Glück stellt das Kunsthaus Rellinghausen Räumlichkeiten zur Verfügung, allerdings nur am Wochenende. Das ist aber für die Schüler überhaupt kein Problem. Sie kommen gerne außerhalb der Schulzeiten und feilen, sägen, bohren, leimen und schrauben gerne, was das Zeug hält.
Zurzeit sind 31 Stück in Arbeit. Es werden immer alle bearbeitet, auch wenn der jeweilige Besitzer gerade nicht da sein sollte.


Hasan Kayar bohrt, Marit hält.

A propos sitzen: Emma sagte, dass der Spieler rittlings darauf sitzt. Hasan Kayar erklärt seinen Schülern, dass sie deswegen die oberen Kanten abrunden müssen, andernfalls täte das Sitzen weh. Und deswegen heißt es jetzt feilen. Kayar bohrt die Schraublöcher vor, fertigt eine Senkung an, dann werden die Löcher nachgebohrt und schließlich die Schrauben eingedreht. Marit hält das Werkstück fest. Albrecht kommt wegen der Späne mit dem Sauger. Samantha ist aber nicht zufrieden, sie hat noch Bohrmehl entdeckt. Da muss Albrecht noch mal ran.
Gummifüße drunter geschraubt und die Instrumente sind bespielbar. Schleifen, Grundieren, Lackieren und Versiegeln sind beim nächsten Mal dran. Lehrer und Schüler sitzen im Kreis auf den Cajons. Kayar gibt Figuren vor, die Schüler antworten einzeln und in der Gruppe. Allmählich verfallen sie in einen gemeinsamen Rhythmus, den Kayar immer wieder mit solistischen Einlagen durchbricht. Er rappt sogar dazu: „Albrecht ist ein Trommelkünstler, den kennt man von Essen bis nach Münster.“ Die Kinder grinsen. So ist der Samstagnachmittag perfekt.


Oben sitzen, unten trommeln. Ein Cajon vermittelt ein Ganzkörper-Erlebnis.

Michael Rausch




Veröffentlicht am:
07.12.2020