Unser Logo Unsere Schule Unser Hundertwasser-Flur Stadtwaldfest Skifreizeit in Mittenwald Jedem Kind sein Instrument Freiarbeit nach Montessori Fußballturnier
Albert-Einstein-Realschule      Offener Ganztag - individuell gestaltet

Online-Elternabend „Medien total“

„Was macht Ihr Kind im Netz?

„Wir haben eine steile Lernkurve“, findet Referent Dr. Marco Fileccia an diesem AES-Online-Elternabend. Er richtet gerade seinen Bildschirm ein und freut sich über die rege Teilnahme aus Eltern- und Lehrerschaft, ermöglicht durch Lernprozesse aus Homeoffice und Online-Lernen. „Wir hätten sonst drei bis vier Jahre dafür gebraucht.“ Der Lehrer und Autor ist zugleich Aktivist in Sachen digitale Medien in der Schule, Ausbilder von Schüler-Medien-Scouts und informiert Eltern im Auftrag der Landesmedienanstalt NRW.
Er fordert die Eltern auf zu verstehen, worin die Faszination digitaler Medien für ihre Kinder liegt. „Sie müssen wissen, was Ihr Kind erlebt. Sie müssen sich dafür interessieren, was Ihr Kind im Netz macht und erlebt.“ Darin sieht er Aufgabe und Pflicht der Eltern. Möglichen Einwänden beugt er gleich vor: „Lassen Sie sich nicht davon blenden, wie gut Ihre Kinder die Geräte bedienen können. Zur wahren Medienkompetenz gehört mehr.“


AES-Online-Elternabend: Referent Dr. Marco Fileccia informiert Eltern im Auftrag der Landesmedienanstalt NRW.

Eltern neigen dazu, ihren Kindern enorme Kenntnisse und Fähigkeiten im digitalen Universum zu unterstellen. Dazu Fileccia: „Die können nix! Die täuschen uns mit ihren instrumentellen Fertigkeiten. Sie wissen nicht mal, wie man eine PDF-Datei erstellt.“ Und da kommt der Vorsprung der Erwachsenen ins Spiel: Die Fähigkeit zur Vorausschau und dem Erahnen der Folgen digitalen Handelns. Im Gegensatz zu ihren Sprösslingen stellen sie sich nämlich Fragen wie „Wieso sind Social Media eigentlich kostenlos?“ oder „Was macht diese ständige Erreichbarkeit eigentlich mit mir?“ Und das, so Marco Fileccia, ist ein Hauptteil wirklicher Medienkompetenz, zu der auch eine gehörige Portion Skepsis gehört.
Die jedenfalls ist unverzichtbar, denn 97 Prozent aller Jugendlichen haben ein Smartphone, ein Gerät mit unzähligen Funktionen und sicher kein bloßes Telefon, wie der Name nahelegen würde. „Es ist das Schweizer Messer der Digitalgeräte“, findet Marco Fileccia, ein Apparat der sozialen Interaktion. Leider erzeugen Facebook & Co aber kein ungetrübtes Glück. Im Gegenteil, der ständige Vergleich mit anderen kann einen ungeheuren Druck erzeugen. Eine besonders unrühmliche Rolle spielen dabei fragwürdige Influenzerinnen, die ein scheinbar sorgenfreies, luxuriöses Leben führen und sich wie eine Freundin gebärden. Triebfeder für Jugendliche ist dabei die Suche nach persönlicher Identität. Es kann aber nicht im Interesse der Eltern sein, dass sich ungehemmter Kommerz, Rollenklischees und aberwitzige Vorstellungen vom Berufsleben in den Köpfen der Kinder einnisten. Eine illustrierende Grafik des Vortrags zeigt augenzwinkernd, dass die Knusperhexe des 21. Jahrhunderts nicht mehr mit Lebkuchen lockt, sondern mit freiem WLAN.
Was bedeutet das konkret für den Alltag? Fileccia gibt den Eltern eine Hausaufgabe: Sich die  Lieblingskanäle ihrer Kinder anschauen, wenn möglich, gemeinsam. Darüber hinaus technische Möglichkeiten zur zeitlichen Begrenzung des Medienkonsums gebrauchen und versuchen zu reglementieren, welche Apps gebraucht werden dürfen. Ein familieninterner Mediennutzungsvertrag ist denkbar oder mit anderen Eltern über deren Methoden zu reden. Hilfsangebote in Form von Leitfäden, Handreichungen, auch Filmen stehen zur Verfügung, Eltern werden nicht allein gelassen. In der anschließenden Diskussionsrunde rät Marco Fileccia aber auch zu Gelassenheit und verrät Tröstliches: Aus den jetzigen Jugendlichen werden die Allermeisten zu verantwortungsbewussten Erwachsenen, auch wenn es vielleicht im Moment noch nicht so aussieht.

Michael Rausch




Veröffentlicht am:
13.03.2021