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Industriespionage?

Besuch des Landesindustriemuseums „Cromfordsche Fabrik“ in Ratingen

Die Fabrik in Ratingen war die erste in der vorindustriellen Phase auf dem europäischen Festland, also ca. 1773. Dort hat man aus Baumwolle Garn hergestellt. Die Baumwollballen kaufte der Fabrikbesitzer Brügelman zu der Zeit in den Südstaaten der USA ein.



Die Fasern sind sehr kurz, deshalb ist nicht so einfach die Baumwolle mit der Hand zu verarbeiten, aber wir durften es vor Ort im Museum selbst ausprobieren. Als erstes wurde die Baumwolle vom Ballen gelöst, anschließend auf dem Schlagtisch gelockert und als nächstes kadiert. Das Heißt, dass man sie auf zwei Kadierkämmen zieht und anschließend gegeneinander verstreicht. Nach kurzer Zeit wird sie weicher und es entsteht eine Art Fließ. Diesen haben wir vorsichtig abgenommen, zusammengerollt und zwischen Daumen und Zeigefinger feste zusammengedrückt. Als nächstes sollten wir den Druck lösen, ein paar Fasern herausziehen, den Druck wieder erhöhen und nur die herausstehenden Fasern zu einem Faden drehen. Es war gar nicht so einfach den Faden dünn und reißfest zu halten. Diese Arbeiten wurden in der vorindustriellen Phase in Heimarbeit und mit einfachen Spinnrädern erledigt.



In der Fabrik Brügelmans erledigten dies schon vor dem Jahr 1800 Maschinen. Zunächst kam die Baumwolle in die Grobkarde. Der Fließ im Anschluss in die Feinkarde, damit er weicher wurde. In der Laternenbank entstand durch Drehung des Fließ das Vorgarn. Das Vorgarn kam aufgerollt in den von Richard Arkwright erfundenen Waterframe (Spinnrahmen). Dort konnten 96 Vorgarnfäden gleichzeitig bearbeitet werden. Das Garn wurde dort gezogen und erneut gedreht, um es fester zu machen. (Schussgarn/Kettgarn)
Der Antrieb für die Maschinen der Fabrik wurde durch Wasserkraft erzeugt. Neben der hohen Fabrik wurde die Anger zunächst in ein Staubecken und im Anschluss unter das Gebäude über ein Wasserrad geleitet. Das Wasserrad drehte im Gebäude. Das klingt sehr ungewöhnlich, aber so war es vor Frost geschützt und die Feuchtigkeit blieb in der Fabrik.
Die Maschinen wurden zwar im Laufe der Jahre weiterentwickelt, aber auf Arbeitsschutz achtete man wenig. Wenn also ein Arbeiter sich verletzte, z.B. einen Finger verlor, entließ man ihn und er erhielt kein Geld mehr. Man konnte im Museum eine Mütze sehen, wo Geld von einem „Bettler“ drin war, also von einem Arbeiter der nicht mehr arbeiten durfte.



Die Arbeitsbedingungen insgesamt waren hart, in der Fabrik herrschten hohe Temperaturen durch die Maschinen, hohe Luftfeuchtigkeit durch das Wasserrad, viele Baumwollfasern waren in der Luft und trotz der hohen Fenster gab es wenig Licht. Trotzdem mussten sogar Kinder im Grundschulalter zwischen 6-7 Jahren 10-12 Stunden/Tag an den Maschinen arbeiten.



Johan Gottfried Brügelman hat sich diese Technik von den Engländern abgeschaut und nach Deutschland gebracht. Ein früher Fall von Industriespionage. Er hat sogar Arbeiter aus England abgeworben, weil sie die Maschinen gut bedienen und reparieren konnten.
 
Christoph Schwarz, 8b



Veröffentlicht am:
29.10.2019