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RL Neue Blickwinkel

Girls' Day und Boys' Day

Am Girls' Day und Boys' Day versuchen Jungen und Mädchen der achten Jahrgangsstufe für einen Tag die Rollen zu wechseln, in Branchen hinein zu schnuppern, die für gewöhnlich vom jeweils anderen Geschlecht bevorzugt werden. Die beiden Tage, die am gleichen Wochentag stattfinden, sollen helfen, die Unterschiede zukünftig zu überwinden.

Schon um 7.00 Uhr morgens ging es für Benjamin los: er wollte den Bäcker, den er sonst als Kunde besucht, mal von der anderen Seite kennenlernen. Brötchen eintüten, Teilchen und Kuchen unfallfrei auf einem Tablett arrangieren und kassieren. Gar nicht so einfach, wenn der Laden gerade voll ist und noch weitere Kunden warten.


Kommt gar nicht in die Tüte? Aber sicher! Benjamin erfüllt Frühstückswünsche.

Eva sorgte beim Bio-Fleischer Burchhardt für das, was zwischen den Brötchenhälften landet. Wannen mit je 15 Kilo Fleischsalat musste sie mit ihren Kollegen in 200g-Schälchen abwiegen, nachdem sie Fleisch- und Teewurst gekuttert hatte und der Masse Pistazien, Paprika und Knoblauch beigemischt hatte. Drumherum Gerüche vom Brühen und Räuchern, meterweise Fleisch und Dauerwurst. Im Kühlhaus reiften die Schweinehälften. Eva fühlte sich nicht unwohl in dieser Männerdomäne und trug ihre typische gestreifte Berufskleidung mit Haltung. Metzgermeister Klaus Esser hätte Eva "sofort eingestellt", denn er beklagt einen Nachwuchsmangel, "der uns in spätestens 10 Jahren riesige Probleme bereiten wird".


Eva hat die Fleischwurst selbst gekuttert.

Über die Verstärkung und die angenehme Gesellschaft freute sich Fabians Chefin. Er verbrachte den Tag in einem Blumengeschäft seiner Nachbarschaft. Daher gefiel es auch manchen Kunden, ein bekanntes Gesicht zu entdecken. Sie ließen sich gern von Fabian etwas zum Boys' Day erzählen. Beim Bepflanzen von Balkonkästen und Pflanzschalen konnte Fabian sein Geschick beweisen. Die Besitzerin des Blumenladens meinte, man könne gut einige Floristen gebrauchen.


Total geerdet. Fabian steckt mit beiden Händen in der Blumenerde.

Lars, der die Natur und Pflanzen mag, schneidet gerade Blumen an, die frisch geliefert wurden. Er verbringt den Boys' Day, ebenso wie Fabian, in einem Floristikbetrieb. Seine Chefin meint, heute gäbe es doch kaum noch typische Frauen- und Männerberufe. Und tatsächlich arbeitet in ihrem Blumenladen auch ein Florist. Lars möchte allerdings sein Praktikum im 9. Schuljahr eher "typisch Junge" verbringen: Er wird sich im Elektrohan-del bewerben.


Sichtlich angetan von der bunten Pracht ist Lars.

Phoebe und Lily verbrachten den Girls' Day in einem Industriebetrieb. Malek Brautech baut und reinigt Teile für Brauereien. Die beiden Mädchen konnten in der Fertigung kräftig mit anpacken. Sie setzten Gasfilter zusammen und schraubten an den zugehörigen Halterungen. Ihr großes Praktikum in Klasse 9 möchten beide aber doch eher klassisch mit Kindern oder im medizinischen Bereich verbringen.


Lily und Phoebe im männertypischen Blaumann-Umfeld. Sieht aus, als würde es Spaß machen.

Mit lauter "Kinderkram" beschäftigte sich Zübeyir. So lautet nämlich der Name des Spielwarengeschäftes, in dem Zübeyir seinen Boys' Day verbrachte. Er musste hauptsächlich Waren einräumen und mit Preisen auszeichnen. Bei der Auswahl an schönem und ansprechendem Spielzeug machte ihm seine Arbeit sichtlich Spaß.


Zübeyir mag Kinderkram.

"Findet Bereiche, in denen bisher kaum Frauen arbeiten" war die Aufgabe und Aleyna entschied sich, ihren Girls' Day in einem Döner-Grill zu verbringen. Eine gute Idee. Obwohl sie sich dann doch nicht wirklich an den Döner-Spieß heranwagte, sondern lieber Gemüse schnibbelte und Geschirr spülte. Das rege Treiben einmal von der anderen Seite der Ladentheke zu beobachten, war dennoch eine interessante Erfahrung.


Aleyna zwischen den Zutaten, die einen Döner-Teller ausmachen.

Käse, Joghurt, Milch und fleischfreies Fleisch auf Milchbasis sind die Produkte, die Nico im Vertriebsbüro  der FrieslandCampina Cheese GmbH betreut. Hier herrscht ein entspanntes Arbeitsklima: Egal ob Erwachsener oder Jugendlicher, alle duzen sich. Mit dem Warenvertriebssystem SAP wird an Nicos Arbeitsplatz dafür gesorgt, dass die bestellte Ware aus dem niederländischen Zentrallager beim deutschen Einzelhandel landet. Da kommen schon mal 800 Tonnen Käse pro Woche zusammen, die anderen Produkte noch nicht gerechnet. Nico: "Das ist ganz schön kompliziert."


Nico weiß: Von hier aus werden die Warenströme in ganz Deutschland gelenkt.

Etwas Pech hatten Marie und ihr Chef Hauke Helle mit dem Wetter. Immer wieder öffnete der Himmel seine Schleusen. April eben. Aber in einem Ingenieur- und Handwerksbetrieb ist man nicht zimperlich. Nach einigen Lackierarbeiten raus zur Baustelle, rauf aufs Gerüst, Pfannen abdecken, runter mit der alten Dachrinne, die neue dran. Marie liebt Handwerkliches: "Mein Opa ist mein großes Vorbild mit seiner Werkstatt." Ihr Chef sieht keine Probleme mit Mädchen in seiner Branche. "Die sind gut in Geschicklichkeit und Genauigkeit."


Marie kommt mit ihrem Werkzeug und der Berufskleidung bestens klar.

"Kultige Haare" konnten Paul und Falk an diesem Tag beobachten. Im Friseursalon mussten sie vor allem fegen und Kaffee servieren. Einer Dame durften sie sogar die Haare waschen - sicher eine besondere Erfahrung. Gerade Falk gefiel der Tag so gut, dass er sich vorstellen könnte, auch sein dreiwöchiges Praktikum in dieser Branche zu verbringen.


Paul und Falk mögen ihre Arbeit bis in die Haarspitzen.

"Ein sympathisches Produkt", findet Glenn, der in einer Weinhandlung arbeitete und erklärt so seine Wahl. Verkosten durfte er noch nicht, da ist das Gesetz vor, aber er konnte alles rund um den Wein erfahren. Anbaugebiete und Rebsorten gehörten ebenso zum Pensum wie Schriftverkehr, Kassenführung und das Kundengespräch. Nicht zu vergessen: der Service. Manche Kunden waren angenehm überrascht, als Glenn ihnen den Karton bis zum Kofferraum trug.


Neben vorwiegend französischen Weinen weiß Glenn auch edles Olivenöl zu präsentieren.

Für alle Schülerinnen und Schüler gilt, dass es ein besonderer Tag mit interessanten Erlebnissen war. Vielen taten abends die Füße weh oder sie waren einfach müde von den vielen neuen Eindrücken. Der Girls' & Boys' Day ist ein erster Schritt, ein Hineinschnuppern ins Berufsleben, um unsere Schüler auf ihrem Weg zu einer wohlüberlegten Berufswahl zu unterstützen und hergebrachte Geschlechtergrenzen zu überschreiten.

Text und Fotos:
Silke Kirchhoff
Michael Rausch



Veröffentlicht am:
04.05.2018