Carbonara niemals mit Sahne

Drei Wochen Auge in Auge mit der Arbeitswelt. Der 9er AES-Jahrgang absolviert gerade ein Praktikum zur Berufsorientierung in den unterschiedlichsten Berufen. Dabei geht’s um „unmittelbares Kennenlernen der Arbeits- und Berufswelt“, denn die ist für viele nicht mehr so ganz fern.

Pia erneuert die Pflasterung des Bürgersteigs an der Ellernstraße.

Ellernstraße, Laterne 27. Hier, wo es keine Hausnummern gibt, arbeitet heute Pia als Straßenwärterin. In ihrem vierköpfigen Team ist sie dabei, die Bürgersteig-Platten neu zu verlegen. Zuvor war eine Mängelmeldung aus der Bevölkerung eingegangen. Das Team vom Amt für Straßen und Verkehr ist zuständig für Pflasterarbeiten, den Straßenbelag, Grünschnitt und alles, was bei einer Straße eben so anfällt.

Mit dem nasskalten Wetter hat Pia „kein Problem“. Durch ihre Arbeitskleidung ist sie gut geschützt. Auch die Arbeitszeit schreckt sie nicht: Sie beginnt um 7 Uhr auf dem Betriebshof Frillendorf und endet gegen 13 Uhr. Pia mag es, an der frischen Luft zu arbeiten, ein Bürojob wäre nicht so ihre Sache. Darauf gekommen ist sie durch eine Berufsmesse, die sie mit ihren Eltern besuchte. Wenn sie sich für die Ausbildung entscheiden sollte, winkt ihr im dritten Lehrjahr der Lkw-Führerschein, bezahlt vom Arbeitgeber. Wenn das kein Anreiz ist!

Frisch aus der Pfanne. Feliks richtet die Linguine auf dem Teller an.

Feliks macht gerade Pause. Sein Essen hat er sich selbst gekocht: Gnocchi mit Ragu alla Bolognese und Salat. Vier Stunden als Koch im Werdener Restaurant La Piazzetta hat er gerade hinter sich, danach geht es weiter bis zum frühen Abend. „Die ersten Tage habe ich viel zugeschaut“, berichtet er. Danach musste er ran. Feliks liebt diese Arbeit. Sein Berufsziel? Nicht schwer zu erraten: Koch natürlich.

„Eine tolle Arbeit. Ich habe so viel erfahren.“ Zum Beispiel, dass an eine Sauce Bolognese immer ein Stück Schokolade gehört, um die Säure zu binden. Und: „Spaghetti Carbonara niemals mit Sahne!“ Woran er sich gewöhnen musste, ist der Zeitdruck. Von der Bestellung bis zum fertigen Gericht muss er unter 15 Minuten bleiben. Das ist schon anders als am heimischen Herd. Aber dafür darf er den Reiz der italienischen Küche erleben: „Die Vielfalt und die Gewürze.“

Jolie hat die Vierbeiner gut im Blick und im Arm.

Zurzeit bewegt sich der größte Teil ihrer täglichen Gesellschaft auf vier Beinen: Jolie macht ihr Praktikum in der Hundeschule und Tagespension „#SitzPlatzSteh“. Die Einrichtung hat ein umfangreiches Angebot in Sachen Ausbildung, Gesundheit und Unterbringung von Hunden. Jolie ist mit ganzem Herzen bei der Sache und engagiert sich außerordentlich. Ihre Ausbildungsleiterin ist davon sehr angetan.

Jolie arbeitet viel selbstständig und organisiert etwa die Dog Walker. Das sind die Zweibeiner, die Hunde in Gruppen ausführen. Dabei achtet sie darauf, welche Hunde gut miteinander auskommen, und stellt passende Gruppen zusammen.

Hart im Nehmen: Charlotte war über zehnmal beim Zahnziehen dabei.

Falls sie je Angst vor dem Zahnarzt hatte – die ist längst überwunden. Kein Wunder, denn Charlottes Praktikumsplatz ist eine Zahnarztpraxis. Sie durfte bereits richtig assistieren: „Ich habe Geräte angereicht und Schläuche gehalten.“ Und so wurden unter ihrer Assistenz bereits 10 Zähne gezogen. Es könnten sogar noch mehr werden. Zahnarzt Dr. Gerhaupt hat schon erlebt, dass Azubis häufiger umgekippt sind, wenn sie bei der Arbeit Blut sehen. „Aber Charlotte hat es ganz souverän gemeistert.“

Michael Rausch