Die ersten in Rellinghausen

Evas Hand führt den Bogen sicher über die vier Saiten ihres Cellos. Eine Melodie in Moll erhebt sich in die Morgenluft der Rellinghauser Rübezahlstraße: Es ist Smetanas Moldau.

Die beiden Stolpersteine: Betonwürfel mit handbeschrifteter Messingplatte.

Gerade sind zwei „Stolpersteine“ vor dem Kunsthaus verlegt worden und die Musik gibt der Szene einen würdigen Rahmen.

Auf Betreiben der AES wird so nun an dieser Stelle zweier ehemaliger Schüler gedacht, die als Juden mit ihren Familien im dritten Reich verfolgt und zur Flucht ins Ausland gezwungen wurden und dadurch überleben konnten: Reinhard Fritz Nassau und Werner Gelles.

Intensiv hatten AES-Arbeitsgemeinschaften zu dem Thema recherchiert und unter anderem das Archiv der Alten Synagoge in Essen durchforstet.

Frank-Matthias Mann integriert die Stolpersteine ins Pflaster.

Dabei spürten sie die Schicksale der beiden auf, die Schüler der Vorgänger-Schule gewesen waren. Denn aus der damaligen „Städtischen Knabenmittelschule Essen-Süd“ ist später die Albert Einstein Realschule hervorgegangen und das Gebäude beherbergt heute das Kunsthaus.

Aber nicht nur das. Die Jugendlichen kümmerten sich auch um bereits verlegte Stolpersteine, etwa in Rüttenscheid, und reinigten sie.

Da gab es manches Aha-Erlebnis. Marie: „Dabei ist uns erst richtig bewusst geworden, wie viele Menschen aus unserer Umgebung von Verfolgung betroffen waren.“

Die ersten Stolpersteine in Rellinghausen durch Initiative von AES-Schülerinnen und –Schülern.

Schulleiterin Dr. Kerstin Sperling-Ischinsky bescheinigt ihren Schülerinnen und Schülern einen „tollen Abschluss“ der Aktion und bekennt: „Ich bin stolz auf euch.“

Die beiden Mahnmale sind zwei von rund 500 mit handbeschrifteter Messingtafel in ganz Essen. Sie sind Arbeiten des Künstlers Gunter Demnig, heute verlegt von seinem Mitarbeiter Frank-Matthias Mann. Die Aktion stellt gleichzeitig eine Premiere für Rellinghausen dar, wie Bezirksbürgermeister Siegfried Grabenkamp anmerkt: „Es sind die ersten Stolpersteine im Stadtteil.“

Michael Rausch

Akribisch recherchiert: AES-Schülerinnen präsentieren die Familiengeschichte der Verfolgten.

Der Verlegeort vor dem Kunsthaus wird vorbereitet.

Marie, Alina und Pia (v.l.) erläutern ihre Arbeit an dem Projekt.

Evas Cellospiel gibt der Szene einen würdigen Rahmen.